"Digitale Gewalt ist reale Gewalt" Collien Fernandes bricht ihr Schweigen im TV © @collien_ulmen
Veröffentlicht am 23/03/2026 um 11:00 von der Redaktion

"Digitale Gewalt ist reale Gewalt" Collien Fernandes bricht ihr Schweigen im TV

Collien Fernandes spricht im TV über digitale Gewalt durch Deepfakes und die juristischen Schutzlücken in Deutschland, die Betroffene oft alleinlassen.

Ausgerechnet in den "Tagesthemen" spricht Collien Fernandes zum ersten Mal im Fernsehen über die schweren Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Ihr Interview sorgt für Diskussionen, Solidaritätsbekundungen – und wirft Fragen auf, wie gut Betroffene digitaler Gewalt in Deutschland überhaupt geschützt sind.

Ein Tag nach der Veröffentlichung ihrer gravierenden Anschuldigungen gegen Christian Ulmen stellt sich Collien Fernandes der Öffentlichkeit: In den "Tagesthemen" geht die 44-Jährige an die Öffentlichkeit und berichtet von den Erlebnissen der letzten Jahre, die ihr Leben wie ein Schatten verfolgen. Der Vorwurf wiegt schwer: Ulmen soll jahrelang mit gefälschten Profilen und expliziten Deepfake-Videos ihr Gesicht und ihren Körper missbraucht haben – eine digitale Gewalt, deren Folgen Fernandes ausführlich thematisiert.

Die Diskussionen nach dem Interview reißen nicht ab. Die Öffentlichkeit fragt sich: Kann so etwas überhaupt geschehen, ohne dass es Konsequenzen gibt? Fernandes schildert, wie die Erlebnisse ihr Privatleben und ihre Karriere tief geprägt hätten – sie sei permanent wachsam und misstrauisch geworden, auch im Umgang mit den Medien und Fremden. Zu den konkreten Vorwürfen gehört nicht nur die Veröffentlichung manipulierten Materials, sondern auch der jahrelange Aufbau falscher Identitäten, die sie online kompromittieren sollten.

„Mir wurde über Jahre mein Körper geklaut“: Wie Fernandes die digitale Gewalt erlebte

Im Interview spricht Fernandes offen über den jahrelangen psychischen Ausnahmezustand. „Ich musste das sehr intensiv therapeutisch aufarbeiten“, gesteht sie und beschreibt, wie tiefgreifend die Erlebnisse gewirkt haben. Digitale Gewalt, so Fernandes im TV: „Digitale Gewalt ist reale Gewalt.“ Ihre Worte gehen unter die Haut, zumal sie sich nicht nur als Opfer einzelner Taten sieht, sondern ein ganzes „Täterparadies“ beklagt – damit meint sie Deutschland, wo Ermittlungen zu digitaler Gewalt oft ins Leere laufen.

Entsprechend hat sie am 19. März eine Anzeige in Spanien erstattet – dort, wo die Taten laut ihrer Aussage auch stattfanden und wo sie den Schutz für Frauen als strenger wahrnimmt. In Deutschland dagegen habe sie erlebt, dass viele Anzeigen im Sande verlaufen. Sie möchte, so Fernandes, „die Mauer des Schweigens“ brechen, auch für andere Betroffene.

Fernandes schildert in der Sendung, dass sie nach der Veröffentlichung ihrer Aussagen zahlreiche Nachrichten von Frauen erhalten habe, die Ähnliches erleben mussten. Sie sieht ihre aktuelle Rolle daher auch als Impulsgeberin für gesellschaftlichen Wandel. „Mir wurde über Jahre mein Körper geklaut“, zitiert sie Der Spiegel – ein Satz, der all das zusammenfasst, was für Betroffene digitaler Gewalt auf dem Spiel steht: Identität, Integrität, Lebensqualität.

Fokus auf das Rechtssystem: Reaktion, Verteidigung und öffentlicher Druck

Im Zuge ihrer Anschuldigungen spitzt sich die juristische Lage zu. Christian Ulmen, 50, lässt sich von einem Anwalt vertreten, der das öffentliche Interesse strikt kritisiert: Die mediale Berichterstattung sei laut ihm „nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig“. Zudem spricht er von „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung und betont: „werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“. Die Verteidigung versucht derzeit, das Verfahren nach Deutschland zu verlagern – für Fernandes ein Beleg dafür, wie groß die Schutzlücken für Opfer hierzulande seien.

Der Fall hat eine Welle der Solidarität ausgelöst: Viele Frauen berichten nach Fernandes’ TV-Auftritt von eigenen Erfahrungen mit digitaler Gewalt. Die Vorwürfe haben eine Debatte entfacht, wie ernst solche psychischen Attacken tatsächlich genommen werden und wie sehr Betroffene im Stich gelassen werden. Während die Ermittlungen in Spanien noch andauern, gilt weiterhin die Unschuldsvermutung für Christian Ulmen.

Das Medieninteresse ist derart groß, dass nun das Anwaltsteam von Ulmen eigenen Angaben zufolge gerichtliche Schritte gegen Der Spiegel einleiten will. Die Diskussion um die juristische Zuständigkeit und den Schutz der Opfer bleibt in Deutschland ein Aufreger, auch weil der Versuch, die Verfahren an deutsche Gerichte abzugeben, offenbar gezielt genutzt wird, um eine strengere Strafverfolgung zu umgehen. Ob das gelingt, bleibt offen.

Mehr als nur ein Promi-Drama? Weitreichende Folgen für Opfer digitaler Gewalt

Der mutige Schritt von Fernandes macht deutlich, wie dringend Handlungsbedarf besteht – nicht nur für prominente Opfer. Ihre Geschichte zeigt exemplarisch, wie schwer der Kampf gegen digitale Gewalt fällt und wo Gesetze, aber auch gesellschaftliche Aufmerksamkeit noch hinterherhinken. Inmitten der Diskussion steht Fernandes für einen neuen Umgang mit solchen Fällen: weniger Schweigen, mehr Solidarität und echte Hilfe.

Am Beispiel der aktuellen Ermittlungen in Spanien zeigt sich eindeutig, dass digitale Gewalt kein rein virtuelles, sondern ein reales Problem ist. Betroffene fühlen sich oft alleingelassen – auch weil, wie Fernandes beschreibt, das Anzeigeverfahren in Deutschland oft ins Nichts führt. Gleichzeitig wächst weltweit das Bewusstsein, dass Deepfakes nicht nur Karrieren gefährden, sondern Existenzen.

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Verwendete Quelle:

Collien Fernandes: Erstes TV-Interview in den "Tagesthemen"